Cour Giacometti Fond. Maeght

  • Posted on: 4. Januar 2016
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Cour Giacometti, Fotografie 1-4, 40 x 70 cm

 

Ausgangspunkt einer solchen Arbeit ist die Auseinandersetzung mit dem Raum. Der Akteur im Raum/Ort nimmt einen subjektiven Standpunkt ein, eine Identifikation existiert, weil dieser Raum gekannt und damit durch Erlebnisse und Handlungen mit Bedeutung aufgefüllt ist. Annette Hermann sagt: „Der einzelne Mensch nimmt gegenüber einem Ort einen ganz subjektiven Standpunkt ein und agiert aus einem Blickwinkel, der sich aus der persönlichen Haltung ergibt. Diese Orte sind in Kulturräume eingebettet.“ Der Ausstellungsraum als ein anderer Kulturraum funktioniert nur als neue Konstellation, d.h. als Erweiterung oder Relativierung bisher gekannter Raum/Ortvorstellungen. Kunst als Verwirklichung der Freiheit des Individuums ist nicht das vorherrschende Thema, dieses wird quasi vorausgesetzt, es ist die Basis erweiternden Handeln, nämlich die Einsamkeit des Individuums andererseits durch eine neue Sozialisation aufzubrechen, dadurch unterläuft sie auch die unmittelbare Verwertbarkeit der Kunst als Warenverkäuflichkeit oder Ivent- oder Spaßfaktor. Diese Raumeingriffe mit ihrer programmatischen Nichtverwertbarkeit paralysieren übliche Handlungsmuster. Aber was ist das für eine Raumvorstellung? Michel Foucault beschreibt dieses Phänomen so: „Was mich interessiert, das sind unter allen diesen Platzierungen diejenigen, die die sonderbare Eigenschaft haben, sich auf alle anderen Platzierungen zu beziehen, aber so, dass sie die von diesen bezeichneten oder reflektierten Verhältnissen suspendieren, neutralisieren oder umkehren. Die Lagerung oder Platzierung wird durch die Nachbarschaftsbeziehung zwischen Punkten und Elementen definiert.“ Warum befassen sich so viele Künstler mit dem Raum/Ort? Was verbirgt sich hinter diesem Interesse? Die Begrenztheit des privaten Raumes als Ort, also die Begrenztheit des Raumes als Endlichkeit durch die Wahrnehmung reflektiert die Unendlichkeit des Universums, deutlich gesagt die überschaubare Minimalisierung oder Verkleinerung verweist auf etwas, das wir in der Nichtfassbarkeit der Erscheinung des Universums wiedererkennen. Die Endlichkeit ist unter diesen Bedingungen die reziproke Erscheinungsform des Nichtfassbaren. Ich sagte schon, die Freiheit der individuellen Handlung als künstlerischer/ästhetischer Akt ist Basis, Aktionsvoraussetzung. Aktion ist: verschiedene Künstler auch unterschiedlicher Nationalität in ein Handlungsnetz einzubringen und ihre Vorstellungen von unterschiedlichen Kulturräumen korrespondierend wirken zu lassen. Unter diesen Aspekten sind Annette Hermanns Veranstaltungen von ästhetischen Handlungsbegegnungen äußerst konsequent. […] Prof. Dr. h.c. Paul Uwe Dreyer – Geografischer Ort – Subjektiver Standpunkt